Herbstanbau: die anspruchsvollste Saison für Gärtner
Nach einem ungewöhnlich warmen Sommer in weiten Teilen der Welt ändern sich die Bedingungen: niedrigere Temperaturen, mehr Regen, weniger Strahlung. Für Gärtner bedeutet das, die Kulturstrategie vom Sommer- in den Herbst-/Winter-Modus zu überführen. Leichter gesagt als getan.
Der Herbst ist eine der schwierigsten Phasen im Anbau. Das Risiko für Pilzkrankheiten steigt drastisch — vor allem durch zwei Prozesse:
- Kondensation (Luft, die Wasser auf Blättern absetzt)
- Guttation (Pflanzen, die Wasser über die Blätter abgeben)
Kondensation ist bekannt, Guttation verdient mehr Aufmerksamkeit.
In jüngsten „Data-Discovery“-Meetings mit Gärtnern aus West- und Nordeuropa haben wir besprochen, welche Rolle die Strategien zum Öffnen und Schließen der Schirme spielen — und wie sie das Gewächshausklima beeinflussen. Mit den Sigrow-Sensoren — insbesondere der Stomata Camera und dem Net Radiometer — sehen wir deutlich, wie empfindlich die Pflanzen in dieser Phase reagieren.
Was ist Guttation?
Guttation entsteht, wenn sich Wasserdruck in der Pflanze aufbaut und nicht über die Transpiration abgegeben werden kann — vor allem nachts, wenn die Stomata geschlossen sind. Der Wurzeldruck presst Wasser über spezielle Blattstrukturen (Hydathoden) heraus, sodass Tröpfchen entstehen. Am sichtbarsten ist das morgens, wenn die Schirme geöffnet werden und sich die Bedingungen schnell ändern.
Ein typisches Szenario:
- Nachts ist die Transpiration sehr gering, oft unter 20 g/m²/h, weil die VPD niedrig ist (< 0,5 kPa). Wasser sammelt sich langsam in der Pflanze an.
- Morgens ist PAR > 0, und der Gärtner öffnet die Schirme.
- Kalte Luft oberhalb des Schirms fällt auf die Kultur und verursacht einen Kälteeinbruch in der Pflanzentemperatur.
- Gleichzeitig drängt das Licht die Pflanzen zur Transpiration — die Blätter sind aber noch kalt, während die Wurzeln aktiv bleiben und Wasser nach oben drücken.
- Die Pflanze kann nicht effizient transpirieren — also kommt es zur Guttation.
Wie lässt sich Guttation verhindern?
Ein bewährter Ansatz ist die Anpassung der Schirmöffnungsstrategie:
- 0 bis 18%: Schritte 0% -> 2% -> 4% -> 6% -> 18% (15 Minuten zwischen den Schritten), um Kaltluftabfall zu vermeiden
- 18% bis 100%: die letzten 82% innerhalb von 15 Minuten öffnen
Dieser stufenweise Ablauf verhindert, dass die kalte Luft auf einmal auf die Kultur fällt; sie kann sich erwärmen, bevor sie die Pflanzen erreicht. Außerdem reduziert er den Strahlungsverlust zum Gewächshausdach und verhindert eine zusätzliche Abkühlung.
Das Ergebnis: ein sanfterer Klimaübergang, geringeres Guttationsrisiko und gesündere Kulturen.
Beobachten Sie Guttation in Ihrem Gewächshaus? Wie verhindern Sie sie?






