Braucht Ihre Kultur mehr Licht oder mehr Temperatur? RTR verstehen

„Braucht meine Kultur mehr Licht oder mehr Temperatur?“ „Das kommt darauf an.“ Eine sehr unbefriedigende Antwort auf viele Fragen im Gewächshausgartenbau — und doch wahrscheinlich eine der zutreffendsten. Es gibt kaum jemals eine einzige, klare Antwort; sie hängt fast immer von der Kultur, der Sorte, dem Wachstumsstadium, der Jahreszeit und dem Gewächshaus ab. Das Radiation-Temperature Ratio (RTR) ist ein praktisches Werkzeug, das Gärtnern hilft, dieses „kommt darauf an“ präziser zu fassen.

Warum sich diese Frage in jedem Gewächshaus stellt

Licht und Temperatur sind die beiden bestimmenden Einflussgrößen in einem geregelten Gewächshausklima, sie treiben jedoch sehr unterschiedliche Pflanzenprozesse an. Licht treibt die Photosynthese an — die Produktion von Zuckern. Die Temperatur bestimmt den Verbrauch dieser Zucker. Stehen beide im Gleichgewicht, verbraucht die Pflanze, was sie produziert, und das Wachstum ist stabil und vorhersehbar. Geraten sie aus dem Gleichgewicht, reagiert die Pflanze: entweder mit einer stärker generativen Entwicklung oder mit einem Schub in Richtung vegetatives Wachstum.

RTR macht dieses Verhältnis sichtbar. Es ist das Verhältnis von Temperatur zu Strahlung (ausgedrückt als PAR) und zeigt Ihnen, ob Ihre Kultur — gemessen am verfügbaren Licht — zu warm oder zu kühl läuft.

Was RTR über das Verhalten der Kultur verrät

Im Rahmen von Plant Empowerment knüpft RTR direkt an das Konzept der Assimilatbilanz an — das Gleichgewicht zwischen dem, was eine Pflanze produziert, und dem, was sie verbraucht. So sehen die drei Hauptszenarien in der Praxis aus:

  • Hohe Temperatur relativ zum Licht → eher generatives Verhalten: schnellere Entwicklung, höhere Trussgeschwindigkeit, kleinere Früchte.
  • Viel Licht relativ zur Temperatur → eher vegetatives Verhalten: stärkeres Stammwachstum, größere Blätter, verzögerter Fruchtansatz.
  • Ausgeglichenes RTR → effiziente Energienutzung, gleichmäßiges Wachstumsmuster und besser vorhersehbare Kulturqualität.

Das ist natürlich eine Vereinfachung. Jede einzelne Kennzahl, die ein komplexes biologisches System beschreibt, lässt Aspekte außen vor. RTR ist gerade deshalb nützlich, weil es Ihnen die Richtung vorgibt: Steuern Sie generativ oder vegetativ — bewusst oder zufällig?

Den Ziel-RTR-Wert festlegen

Der richtige RTR-Wert ist nicht universell. Er hängt von Ihrer Kultur, der Sorte, dem angestrebten Stadium (generativ oder vegetativ), dem Kulturstadium und der Jahreszeit ab. Eine junge Pflanze in der frühen Entwicklung kann ein anderes Verhältnis erfordern als eine ausgewachsene Kultur in voller Produktion. Sobald Ihre Ziele klar sind, gibt Ihnen RTR jedoch einen konkreten Referenzpunkt — und einen Weg zu prüfen, ob Ihr Gewächshausklima diesen tatsächlich liefert.

RTR auf Kulturniveau: Blatttemperaturdaten nutzen

Eine wichtige Weiterentwicklung: In Sigrow lassen sich jetzt Blatttemperaturdaten aus dem Blatttemperatur-Modul der Stomata Camera nutzen, um RTR auf Kulturniveau zu berechnen. Damit kann RTR die tatsächliche Temperatur abbilden, die die Pflanze erlebt — und nicht nur die vom Klimacomputer erfasste Lufttemperatur. Das Ergebnis ist ein Steuerungssignal, das auf dem basiert, was die Pflanze wirklich tut, statt auf dem, was die Umgebung vermuten lässt.

RTR ist ein klares Beispiel dafür, wie datengestützter Anbau über das reine Monitoring hinausgeht und zu echter Steuerung wird. In dem Maße, wie sich die Plant-Empowerment-Prinzipien im Gartenbau weiter verbreiten, werden Werkzeuge wie dieses zum Standard in der professionellen Kulturführung.


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