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Suboptimale Pflanzenaktivität: ein verstecktes Risiko im Hochstabanbau

In den jüngsten „Data Discovery“-Meetings mit Gemüsegärtnern in Nordamerika und Europa kommt ein Thema immer wieder hoch: die Dampfdruckdifferenz (VPD). Wir überwachen sie alle. Aber was passiert eigentlich in der Pflanze, wenn die VPD ihren optimalen Bereich verlässt?

Warum VPD wichtig ist

Die VPD bestimmt, wie stark die Luft Feuchtigkeit aus der Kultur zieht** (siehe angepinnten Kommentar für eine Korrektur)

  • Höhere VPD → mehr Feuchtigkeit wird aus dem Blatt gezogen → höhere Transpiration
  • Niedrigere VPD → weniger Feuchteentzug → geringere Transpiration

Aber Pflanzen haben Grenzen.

Oberhalb von etwa 1,5 kPa beginnen sich die Stomata zu schließen, um eine Dehydrierung zu verhindern. Sobald das passiert:

  • Transpiration wird eingeschränkt
  • CO₂-Aufnahme sinkt
  • Photosynthese wird reduziert — auch bei guten Lichtbedingungen

Der optimale VPD-Bereich für die Kultur liegt in der Regel bei 0,3–1,5 kPa. Außerhalb dieses Fensters leidet die Kulturleistung.

Was passiert, wenn die VPD zu niedrig ist?

Niedrige VPD reduziert die Transpiration. Das wirkt sich direkt auf den Calciumtransport aus, denn Calcium ist nicht mobil und hängt vollständig vom Transpirationsstrom ab.

Mögliche Folgen:

  • Fruchtrisse
  • Blütenendfäule
  • Spitzenbrand (Tip Burn)
  • Erhöhte Anfälligkeit für Botrytis und Innenfäule

Bleibt die VPD nachts unter 0,5 kPa, sammelt sich zudem Wasser in der Pflanze, und am Morgen kann es zu Guttation kommen — der Pilzdruck steigt.

Was passiert, wenn die VPD zu hoch ist?

Übersteigt die VPD 1,5 kPa:

  • Stomata schließen sich
  • CO₂-Aufnahme nimmt ab
  • Photosynthese wird CO₂-limitiert

Die Kultur kann aktiv aussehen, ist physiologisch aber eingeschränkt.

Saisonale Realität

Im Sommer ist eine zu hohe VPD oft das Hauptproblem.

Im Spätherbst, Winter und Frühjahr ist eine zu niedrige VPD durch feuchte Luft meist die größere Herausforderung.

Wie Sie sie richtig steuern

Bei Sigrow verfolgen wir einen pflanzenzentrierten Ansatz im Klimamanagement: Wir messen, was die Pflanze tatsächlich erlebt — nicht nur die Luft um sie herum. In diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf Strategien zur Erhöhung der VPD, da dies die Hauptaufgabe der aktuellen Saison ist. Die Lösung ist nicht einfach „Temperatur senken“ oder „Temperatur erhöhen“. Das Ziel ist, instabile Mikroklimate und plötzliche Temperaturabfälle der Pflanze zu vermeiden und die VPD im optimalen Bereich zu halten.

Wichtige Stellschrauben:

  • Kaltluftabfall durch Schirmspalte verhindern
  • Kalte Schirmflächen vermeiden
  • Strahlungsverluste reduzieren
  • Lüftung feinjustieren
  • Entfeuchtung optimieren

Wenn man Blatttemperatur und VPD direkt misst, lassen sich Klimaentscheidungen auf das stützen, was die Kultur wirklich erlebt. Mit der Sigrow Stomata Camera und KI-basierter Pflanzensegmentierung arbeiten wir mit Gärtnern an Datenanalysen und übersetzen die Ergebnisse in praktische Strategien, die Mikroklimate stabilisieren und die Kulturleistung verbessern.

Vom 23. Februar bis 6. März bin ich in Ontario und treffe dort Gärtner und Partner. Möchten Sie Ihre VPD-Strategie besprechen und einen pflanzenzentrierten Ansatz verfolgen? Dann freue ich mich auf einen Termin. Bis dort!

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